Gefahren

Anmerkung: Das hier sind nur bekannte oder denkbare Gefahren. Diese sind in der Regel rückwärtsgerichtet, weil etwas herausgekommen ist. Was die Firmen und Staaten noch alles treiben von dem bisher noch nichts öffentlich ist, bleibt Ihrer Fantasie überlassen. Wenn es um Sie, Ihre Freiheit und Ihre Privatsphäre geht, rechne Sie mit dem Schlimmsten. Alle Daten, die Sie abgeben, bewusst oder unbewusst, sind ab dem Zeitpunkt für immer im Netz und können niemals wieder einkassiert werden. Auch nicht, wenn Sie ein Studenten der Universität Missouri sind: Dort müssen Studenten eine App auf ihren Handy installieren, damit sie auf dem Campus jederzeit lokalisierbar sind. Wollen Sie wirklich in so einem Staat leben oder so ein System Ihren Kindern zumuten?

Zusammenfassung:

  • Menschen werden auf Grund von gesammelten Daten benachteiligt, selbst wenn es nicht ihre Daten sind
  • Firmen können Ihre Profile kaufen (ggf. mit falschen Daten) und darauf basierend höhere Preise verlangen oder Sie als Kunde oder Bewerber ablehnen
  • Gerechtigkeit leidet, weil sich nur noch Besserverdienende Privatsphäre leisten können
  • Daten machen reich, Menschen und Unternehmen
  • Reichtum verleiht Macht
  • Der Besitz vieler Daten kann zum Missbrauch führen
    • Demokratiegefährdung
    • Manipulation von Menschen im wirtschaftlichen und politischen Sinne die zum Tode führen können
  • Datenmonopole reduzieren Innovationen
  • Das Gefühl (!!!) der Überwachung führt zu Verhaltensänderungen
  • Daten machen Sie zu einem leichteren Opfer von Kriminalität
  • Daten stellen alle Menschen unter Generalverdacht, das ändert das Zusammenleben im Staat
  • Ihre Google-Suchhistorie kann Sie ins Gefängnis bringen

Vielleicht denken Sie jetzt: Alles doch sehr weit hergeholt und ausgedacht. Nein. Lesen Sie weiter. Alle o.g. Punkte sind belegbar und nachvollziehbar. Das sind die Gefahren, denen wir uns bewusst ausliefern, wenn wir unsere Daten ohne nachzudenken abliefern. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Cannibal Cop

Fangen wir kurz mit dem letzten Punkt an. Der sog. Cannibal Cop hatte keine Straftat begangen. Er hatte Fantasien und Informationen dazu gesucht. Widerliche Fantasien. Und er hat nach meinen Maßstäben nach unerträglichen Informationen gesucht. Aber ist das strafbar? Können wir für unsere Gedanken eingesperrt werden? Wollen wir Menschen für Ihre Gedanken und Fantasien einsperren? Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die Menschen auf Grund von Gedanken einsperrt, nach dem Motto: Sicher ist sicher. Sind wir alle frei von Fantasien und Gedanken, die als Tat illegal wären? Wollen Sie ein Knöllchen bekommen, weil Sie nach dem dritten Mal im Kreis fahren in Frankfurt im Auto (alleine sitzend) sagen: Jetzt stelle ich mich gleich ins Halteverbot! Obwohl Sie es dann doch nicht tun? 

Er wurde nach über einem Jahr durch eine höhere Instanz frei gesprochen. Doch mehr als ein Jahr in einem Gefängnis, ohne eine Straftat begangen zu haben finde ich schwierig. Sie denken, das kann nur in den USA passieren. Vielleicht! Der EU Datenschutzbeauftragte hat zum Beispiel Europol offiziell gerügt, weil diese Institution im grossen Umfang Daten von Unschuldigen verarbeitet und an einem biometrischen Abhörsystem beteiligt ist.

Aber auch andere falsche Inhaftierungen basieren auf Daten. Weil immer so getan wird, dass sie unbeeinflussbar seien.

Ich verspreche Ihnen, aber hier wird es leichter und normaler.

Werbung

Wie ich schon schrieb, kenne ich kluge, gut ausgebildete Informatiker, die sagen: Alles kein Ding, Werbung in meinem Sinne ist besser als Werbung für Dinge die mich nicht interessieren. Sie empfinden das als eine Win-Win-Situation. Das verstehe ich. Aber: Was passiert, wenn die Werbung von dern Servern der Werbetreibenden gehackt werden und die Werbung mit Malware ausgeliefert wird? Nur das Ansehen mit einer infizierten Werbung kann einen traditionellen Computer infizieren. Das nennt sich drive-by, weil Sie infizierte werden ohne wirklich etwas zu tun. Es ist nicht so, als wäre das nicht schon mal passiert. Aber das ist nur ein Thema.

Als meine Mutter ein Pflegefall wurde, habe ich einiges für sie online eingekauft. Noch Jahre später, nach ihrem Tod, habe ich Werbung für derartige Produkte auf den Webseiten gesehen. Dann doch lieber etwas passendes, oder?

Es gibt zu den Punkten, die Sie in diesem Abschnitt lesen, weiterführende Informationen und ich bin nicht so verwegen zu glauben, ich könnte und müsste das alles hier im Detail wiedergeben und das vielleicht besser als andere das können. Nichts desto Trotz ist die grösste Problematik aus meiner Sicht, den Internetbenutzern klar zu machen, welche Schäden entstehen können. Fangen wir an.

Sie benutzen Facebook, Google, Instagram, WhatsApp und andere, haben keinen Trackingschutz installiert und sind ein unbedarfter Internetnutzer der einen Computer und ein Smartphone sein eigen nennt. Sie haben WLAN, Bluetooth, GPS, Location based Services angeschaltet. Man braucht es über den Tag ja doch des öfteren Mal. Ich denke, dass trifft auf viele, wahrscheinlich die meisten, Menschen zu. 

Damit liefern Sie Daten an Gott und die Welt. Später sehen Sie Beispiele und die Technologien dahinter, hier belassen wir es dabei, dass Sie alle paar Minuten Ihren Standort an Google oder Apple mitteilen, dass jede Seite, die Sie ansurfen, Informationen an dutzende Werbetreibende weiterleitet, z. B. auf welcher Webseite Sie gerade eingeloggt sind, in einem anderen Tab, ob Sie auf Ihrem Rechner Netzwerkverbindungen offenen haben, welchen Browser und welches Betriebssystem Sie benutzen, zu welcher Uhrzeit in welchem Land, Ort und so gut wie möglich die genauen GPS Koordinaten. Relativ einfach lässt sich herausfinden, welches Geschlecht Sie haben, ob Sie hetero- oder homosexuell sind und welcher Glaubensrichtung Sie angehören. Es wird protokolliert, wie lange Sie sich an einem Ort aufgehalten haben und es kann in den Daten gesucht werden, ob sich zur selben Zeit an diesen Koordination noch jemand aufgehalten hat. Daher kann die Software davon ausgehen, dass Sie sich kennen (mit einer Genauigkeit von >8X%). Sie haben Ihr Adressbuch an WhatsApp und Facebook hochgeladen und somit gegen den ausdrücklichen Willen Ihrer Familie, Freunde und Kollegen deren Daten Preis gegeben. Damit kennen die Firmen Ihre Beziehungen, denn natürlich haben Sie im Adressbuch unter Ihrem Partner „Schatz“ abgelegt oder bester Freund.  Auf Tinder haben Sie geswiped, Ihren Zyklus lassen Sie über eine App kontrollieren und bevor Sie zum Arzt gehen, laden Sie eine App herunter und geben die Symptome ein um zu überprüfen, ob es noch Sinn hat, den Arzt zu besuchen. Und selbst das, was Sie nicht an Facebook senden, weil Sie es sich nach dem Tippen nochmal überlegt, aber nicht abgesendet haben, landet doch bei Facebook. Jeder Tastendruck, jede Mausbewegung wird registriert.

Nein, das hier ist kein Schreckensszenario. Das ist der Normalfall, wenn sich Internetbenutzer keinerlei Gedanken über ihre Daten machen. 

Doch was ist daran so schlimm?

Je nach Sichtweise alles oder eben auch nichts.

Umgang mit den Daten

Fragen Sie mal die folgenden Menschen: Isam Marnissi, Steve Washburn, Kevin Iraniha, Abe Mashal oder auch Nelson Mandela. Letzterer stand bis 2008 auf der Terror Watch List der USA. Warum? Weil es Informationen über diese unbescholtenen Bürger gab, die ein Algorithmus dazu nötigte, sie als gefährlich einzustufen. Sie denken jetzt vielleicht: Das kann in Deutschland nicht passieren, wir sind ein Rechtsstaat. Haben Sie schon mal versucht, von der Schufa eine Auskunft zu bekommen, warum Ihr Score so hoch oder niedrig ist? Ich bin von München in einen überwiegend durch Ausländer bewohnten Stadtteil von Frankfurt gezogen und mein Score sank. Habe ich mich, hat meine Kreditwürdigkeit dadurch gelitten? Ich denke nein, die Schufa oder besser, deren Algorithmus sagt ja. Eben!

Ein anderes Beispiel ist: Geben Sie Ihre Daten an den Versicherer, sinkt Ihre Autoversicherungsprämie. Ähnliches wird im gesundheitlichen Bereich durch Tracker angeboten. Für 5€ im Monat geben Sie ihr Privatleben auf. Das bedeutet dann ggf. auch, dass sich Privatsphäre nur noch Menschen mit besserem Einkommen leisten können. In diesem Kontext bin ich sicher, ohne es belegen zu können, dass Versicherungen und andere Branchen Profile von Internetnutzern kaufen. Ein einfaches Profil kostet 1-2€. Ein komplexes Profil kann bis zu 20€ und mehr kosten. Das haben die Versicherer im Zweifelsfall nach vier Monaten wieder verdient. 

Doch was ist daran so schlimm?

Nichts, wenn Sie gut verdienen und Ihnen Gerechtigkeit egal ist.

Milliardäre

Ausserdem: Sie machen Firmen und Menschen reich und reicher. Das ist vielleicht alleine noch nicht verwerflich. Die Produkte sind ja super und helfen mir jeden Tag. Die haben es verdient.

Es ist erstaunlich wie schnell Mark Zuckerberg Milliardär wurde. Und es ist auch erstaunlich, dass ein einziger Mann, trotz einer sehr teuren Scheidung, ein Privatvermögen von mehr als €100 Mrd anhäufen kann. Doch mit diesem Reichtum geht etwas ganz anderes einher: Reichtum heisst Macht. Jeff Bezos, Gründer von Amazon und der reichste Mensch der Welt, hat sich von dem Geld vieles geleistet: Er will ins All. Aber vor allem: Er hat sich die Washington Post gekauft. 

Ich glaube kein Mensch, der nicht vermögend ist, wird abstreiten, dass mit dem Reichtum Einflussnahme und Macht einhergehen. Auch wenn wir in Deutschland bei weitem nicht so stark davon betroffen sind wie z. B. die USA, haben sich in den letzten Jahren doch mehr und mehr Situationen ergeben, in denen ersichtlich war, wem die Regierungen welcher Coleur auch immer, eher zugeneigt sind. Den Unternehmen und Lobbyisten oder den Bürgern? Das Buch hier ist kein Buch über Ungerechtigkeit, VW-Skandale usw. Da können Sie sich anderweitig informieren. Es gibt aber wohl kein Land in dem nicht gilt: „Geld regiert die Welt.“ (vielleicht im Bhutan)

Mit Ihren Daten machen Sie diese Mächtigen mächtiger. Und ich kann es mir nicht verkneifen: Diese Menschen bezahlen mehrheitlich weniger Steuern als Sie. Auf Kapitalerträge, Dividenden, Aktiengewinne fallen in Deutschland 25% Steuern an. Auf Einkommen aus Arbeit bis zu 42%. Aber die Krankenhäuser, die Straßen, die Schulen, also der Staat, müssen trotzdem finanziert werden. Wer bleibt dann noch? Sie! 

Zu guter Letzt sind es immer wieder Milliardäre, die Kunst zu horrenden Preisen kaufen und sie damit der Gesellschaft entziehen. Wenn auch kein Techgründer, so hat doch der Kronprinz von Saudi-Arabien wahrscheinlich das teuerste Gemälde der Welt, wahrscheinlich von Leonardo da Vince gekauft. Und es ward nicht mehr gesehen. In den Medien hören wir davon leider nichts. 

Einfluss der Grossunternehmen

Doch nicht nur die Individuen, die dieses Geld anhäufen, haben Macht. Auch die Unternehmen. Und diese Unternehmen spielen ihre Macht aus. Sie nehmen Einfluss auf die Politik. Sie nehmen Einfluss auf unser Leben. Sie gefährden unsere Demokratie. Das klingt unglaubwürdig, ist aber leider wahr. Und sie bezahlen nicht die Steuern, die eine regionale Firma bezahlt. netzpolitik.org hat den Einfluss von Google auf die Medien untersucht. Google investiert Millionen über Millionen in den Journalismus. Nach eigenem Gutdünken statt Gesetzen.

Neben diesem finanziellen und auch moralischen Aspekt, gibt es auch ganz handfeste Einflussnahmen der Techunternehmen. Befeuert durch unsere Daten.

Die UN haben eine klare Stellung zu Facebook’s Einfluss in der Myanmar-Krise dokumentiert. Bekannter jedoch ist der Fall Cambridge Analytica. Durch die Daten der Nutzer konnten diese gezielt angeschrieben und manipuliert werden. Wähler wurden nach psychologischen Kriterien gruppiert und bekamen von den Republikanern Post die gezielt auf sie zugeschnitten. Es gibt etliche Quellen, die sehr genau beschreiben, was passiert ist. Und in jedem der Briefe stand etwas anderes. So, dass letztendlich jeder verstehen konnte, der das wollte, dass die Republikaner genau für das stehen, wofür der Nutzer auch steht. Dazu kommt in den USA erschwerend hinzu, dass in 2018 55% der Internetnutzer ihre Nachrichten über Social Media erhalten haben, Tendenz steigend. Es gibt einen grandiosen, unbedingt anzuschauenden Ted Talk von Carol Cadwalladr über den Einfluss von Facebook beim Brexit. Durch die Daten, die wir diesen Unternehmen liefern, bekommen wir nicht nur tolle, passende Werbung, sondern geben auch unsere Demokratie preis. Die Liste der Beispiele könnte ein Buch füllen. 

Wir werden manipuliert. Lesen Sie sich die Interviews mit dem Gründungspräsidenten von Facebook durch oder des Vizepräsidenten für Wachstum. Die Daten, die Sie im Internet hinterlassen, werden dazu verwendet, Sie besser kennenzulernen um Sie besser manipulieren zu können. Das ist eine Schleife die immer weiter geht. Das geschieht darüber, Ihre Aufmerksamkeit auf die Dienste zu fokussieren und Sie so lange wie möglich in den Diensten zu halten.

Psychologie

Die meisten Menschen die ich kenne behaupten, das ist bei ihnen nicht so. Meine Frage, die ich dann stelle: Wieso geben Firmen so viele Milliarden (die konkreten Zahlen kommen im nächsten Kapitel) für Werbung aus, wenn es doch nichts bringt? Und diese Zahlen steigen. Wenn Werbung also nichts bringt, warum machen das Unternehmen? Wäre es dann nicht besser, Produkte billiger anzubieten und die Werbung aus den Kosten zu streichen? Sie machen es, weil es wirkt. Auf mich, auf Sie, auf uns alle. Weil das reine Psychologie ist. Wir werden manipuliert. Auf sehr clevere Art und Weise. Wir entscheiden uns für Dinge und glauben wir hätten das ganz alleine mit unserem freien Willen entschieden. Vielleicht. Meist aber nicht.

Zwei der grössten Firmen der Welt leben von Werbung. Ich konnte mir lange nicht vorstellen, dass Firmen, die fast ausschließlich von Werbung leben, grösser als Automobil- oder Flugzeugbauer werden können. Aber es ist so.

Und es wird immer mehr. Immer mehr Werbung, überall. Schon Kindern wird eine kostenlose Sim-Karte angeboten, wenn Sie auf dem Homescreen Werbung zulassen. So werden schon die Kleinen daran gewöhnt. Das hat einen Einfluss auf die Preise der Produkte, denn Werbung sind Kosten, die auf den Produktpreis gerechnet werden. Das heisst wir bezahlen zweimal. Einmal mit unseren Daten und dann beim Produkt den höheren Preis. Im Prinzip müssten wir für unsere Daten Geld bekommen.

Social Media ändert die Algorithmen für bestimmte Nutzergruppen jeden Tag ein bisschen um zu sehen, was es für Auswirkungen hat. Das sind Psychotests am lebenden Objekt. Und Sie sind der Proband. Nur um Sie noch besser kennenzulernen und sie noch stärker zu manipulieren und damit noch mehr Einfluss auf alle Ihre Lebens-entscheidungen, auch die Wahlentscheidungen, zu nehmen.
Gott sei Dank hat der Datenschutzbeauftragte aus Hamburg es Facebook untersagt, dass auf Fotos die Gesichtserkennung bei Deutschen Nutzern läuft. Facebook und alle anderen wollen mehr. Sie wollen wissen, wie sie sich wann fühlen. U.a. haben Sie wohl deshalb die Kamera an iPhones ohne das Wissen der Nutzer aktiviert. Facebook sagt, es war ein Bug. Dasselbe passierte dann ca. ein Jahr später bei Instagram, einer weiteren App von Facebook. Natürlich wieder ein Bug. Wenn Unternehmen nicht nur wissen wo Sie sind und mit wem Sie sich treffen sondern auch wie Sie sich dabei fühlen, dann wissen Sie sehr viel über Sie und können Sie hervorragend manipulieren und Ihren freien Willen massiv beeinflussen. Ich weiss, wir alle wollen das nicht glauben, aber nur wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir damit umgehen.

Das ist keine Utopie, dass ist fast schon Vergangenheit. Und es ist alles bekannt. Facebook spricht offen über vieles (offener, als vielleicht andere). 

Hinzu kommt, dass Menschen nachweislich ihr Verhalten ändern, wenn sie glauben (!!!), sie werden überwacht. Siehe George Orwell, 1984

Menschen passen sich an, reden anders und mittel- bis langfristig werden Sie sich dann anders verhalten. Alles im Sinne der Unternehmen. Und der Regierungen. Auch diese spielen dort mit. Auch sie wollen Ihre Daten. Und auch die Regierungen wollen daran verdienen. Der heise-Verlag hat einen schönen Artikel dazu verfasst :

„Ob Stalking-Opfer oder Journalist:innen, die zu Nazis recherchierten – sie alle müssen damit rechnen, dass der Staat ihre Meldeadresse für wenige Euro an alle möglichen Menschen herausgibt. Diese Auskunftsmöglichkeit wird vor allem von Adresshändlern genutzt, im Einzelfall aber auch von anderen Menschen.“ 

Das sind tendenziell öffentliche Daten. Aber was, wenn ich als Benutzer nicht will, dass die Daten öffentlich sind? Was, wenn ich nicht will, dass mein Stalker, mein prügelnder Partner oder der Killer der Mafia in meinem Gerichtsprozess meine Adresse und andere Daten findet?

Machtmaschinen

In dem Buch Machtmaschinen von Thomas Ramge und Viktor Mayer-Schönberger wird ein weiterer Nachteil sehr schön und verständlich beschrieben: Wenn die Daten in der Hand von einer kleiner Gruppe Firmen sind, dann werden innovative Entwicklungen blockiert. Denken Sie beispielsweise an die Medizin. Mit anonymen Daten, die jeder von sich bereitstellen kann, können mit künstlicher Intelligenz und Erfahrungen Muster erkannt werden, die helfen können, bisher unheilbare Krankheiten wie ALS oder auch Krebs zu heilen. Da diese Daten aber in der Hand weniger Firmen sind und diese ein Quasimonopol auf diese Daten haben, bremst das die Entwicklung. Eine andere Auswirkung ist, wenn wir trotzdem unsere Daten zum Guten der Menschheit zur Verfügung stellen wollen, dann stellen wir sie dreimal, zehnmal, 100 mal zur Verfügung. Das ist aus klimatechnischer Sicht sehr nachteilig. Wie kann das gehen? Die Autoren stellen dar, dass Europa, wie bei der DSGVO die Firmen verpflichten kann, alle in der EU gesammelten Daten anonymisiert oder pseudonymisiert (Erklärung zu beiden folgen später) anderen zur Verfügung zu stellen. Im Moment ist der Trend aber so, dass wir entweder die Daten den wenigen amerikanischen Konzernen geben oder sie gar nicht hergeben wollen. Dadurch werden Geschäftsmodelle auf Datenbasis in Europa prinzipiell zu Grabe getragen. Das führt zum Schaden der Region in neuen Technologien. Anstelle über Daten als Rohöl oder totalen Datenschutz zu sprechen, sollten wir also über eine sinnvolle Verarbeitung diskutieren. Nicht (nur) Werbetreibende, sondern Forscher könnten davon profitieren und damit die Gesellschaft. Ein interessanter Ansatz wie ich finde. Wenn Sie diese Gedanken im Detail verstehen wollen, empfehle ich Ihnen das Buch. 

Auch Unternehmen kaufen immer öfter Daten von „Profilerstellern“ um sich die Arbeit auf LinkedIn, Facebook, Xing und Instagram zu sparen. Anhand der Profile schätzen Sie den Kandidaten ein und lehnen die Bewerbung ggf. ab. Und das möglicherweise, ohne das ein Mensch die Bewerbung je gesehen hat. Sie geben sich Mühe, investieren Zeit in das Anschreiben, leiden alles qualvoll hoch um dann in Sekunden eine Absage zu erhalten, möglicherweise basierend auf falschen Daten und/oder einer falschen Einsch-ätzung der Daten.

Identitätsdiebstahl

Eine weitere Konsequenz der Datensammelei ist die Möglichkeit des Identitätsdiebstahls. Auch das klingt erstmal nicht so schlimm. Wie soll das schon gehen? Und wer sollte meine Identität haben wollen. Ich will sie ja nicht mal selber haben. 

Weil Hacker damit Geld verdienen. Und Sie zielen nicht auf Sie sondern auf alle Menschen derer sie habhaft werden können. Und hier, wie so oft gilt: Das Ziel ist wenig Aufwand mit viel Ertrag. Wenn Sie es den Hackern schwerer machen, Ihre Identität zu stehlen, suchen sie sich andere. Und dieses Buch soll helfen, diese Situation herbeizuführen.

Wenn Angreifer oder Staaten an Ihre Daten kommen, selbst welche, die öffentlich sind, können Sie sie sehr gut manipulieren. Und Sie um Ihr Geld bringen. Oder anderen Schaden anrichten, zum Beispiel eine Email an den Chef, die Partnerin, den Sportverein, den Geliebten senden. Emailadressen, teilweise mit Passwörtern, sind im Internet zugänglich. Vielleicht weiss der Interessierte auch, bei welchem Telekomanbieter Sie sind: k.k@vodafone.de. Und dann bekommen Sie einen Anruf von „Vodafone“ und werden am Telefon in ein Gespräch verwickelt. Und natürlich weiss der Telefonierer wie Ihr Hund heisst, denn das hatten Sie auf Instagram gepostet. Und ist zufällig die Sicherheitsabfrage bei dem Online Account dieser Firma. Oder wie der Name Ihres besten Freundes war, der Geburtsname Ihrer Mutter usw. Alle diese Informationen schaffen Vertrauen, dass dieser Mensch von der „Vodafone“ sein muss. Wie könnte er sonst so viel über sie wissen? Und auf einmal sind Sie ein paar Tausend Euro ärmer. Diese Fälle gab es. Daten einer englischen Telekom Firma wurden geleakt und die Täter brachten über Datensammlungen und Socical Engineering die Kunden um viel Geld.

Und es gibt keine Firma, die Ihre Daten wirklich schützen kann. So ziemlich alle Firmen wurden schon mal Opfer eines sog. Data Breaches, bei dem Kunden- und andere Daten öffentlich wurden.  

Und nein, das betrifft nicht, wie vielleicht vermutet, nur ältere Menschen. Die sind gar nicht so viel im Netz (das Problem löst sich für die Hacker Jahr für Jahr ein bisschen auf) und haben auch nicht ihr ganzes Leben dort dokumentiert. Es betrifft vor allem auch Jugendliche. Diese posten alles und jedes und haben noch kein Gefühl für Datenschutz, Privatsphäre und Technologie. Die perfekten Opfer. Auch was Identitätsdiebstahl angeht. Sie sind unbekümmert. Das macht sie zu leichten Opfern. Hier wären die Schulen gefordert, denn die Eltern können das meist nicht leisten, doch auch die Schulen gehören mehrheitlich zum Staat. Wie lange hat die Gesellschaft über Medienerziehung in Schulen diskutiert? Mit welchem Ergebnis? Wir sind ausgeliefert, aber nicht hilflos. Und dieses Buch versucht Ihnen, Hilfe anzubieten. Nehmen Sie Ihre Daten selbst in die Hand.

Sie müssen für sich abwägen, wieviel Bequemlichkeit und Luxus Sie wollen und welche Auswirkungen Sie dafür in Kauf nehmen. Aber vielleicht müssen Sie untertauchen, aus oben genannten Fällen. Vielleicht wollen Sie es. Oder vielleicht wollen Sie es ein bisschen. Auf jeden Fall sollten Sie es in der Bewusstheit tun, abgewogen zu haben und für sich entschieden zu haben.